Rund um den Apfel
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Die späten Sauren sind die Besten - nicht aus jedem Apfel wird ein gutes "Stöffche"

Apfel ist nicht gleich Apfel- und nicht jeder ist zur Herstellung von Apfelwein gleichermaßen gut geeignet. Edle Tafeläpfel mögen zwar aussehen wie gemalt und zuckersüß schmecken - dennoch lässt sich kein anständiger Apfelwein daraus keltern. Deutlich besser geeignet sind die rauhen, sauren Sorten, wie der Boskoop oder der kleine rote  Trierer Weinapfel. Viele Fachleute halten den Bittenfelder für den besten Kelterapfel überhaupt. Die späten Apfelsorten sind grundsätzlich bessere Kelteräpfel als die frühen Sorten, ansonsten hat jeder  Kelterer seine speziellen Favoriten. Hier die häufigsten Sorten:

Bittenfelder: Vermutlich stammt er aus Baden-Württemberg, dieser kleine, schiefe, rundliche, erst grüne und später fast zitronengelbe Apfel mit rötlicher bis orangefarbener Färbung. Sein hartes Fruchtfleisch ist gelblich weiß und sein Geschmack herbfruchtig bis säuerlich. Einer der beliebtesten Kelteräpfel, denn er hat ein sehr günstiges Zucker-Säure-Verhältnis.

Rheinischer Bohnapfel: Dieser derbe, robuste Apfel von gelblichgrüner Farbe mit  seiner rotbraunen Zeichnung stammt vom Niederrhein. Sein Fruchtfleisch, grünlich bis hellgelb, steckt unter einen glatten und trockenen Schale. Im Geschmack ist er schwach süßlich bis fruchtig-säuerlich und gut für die Saftgewinnung geeignet.

Boskoop: Ursprünglich stammt er aus Holland, dieser flachkugelige, dunkelrote Apfel mit den netzartigen Abbildungen. Er hat ein festes, gelblichweißes Fruchtfleisch und ist bei genügender Süße fruchtig-säuerlich im Geschmack. Ein typischer, gerne verwendeter Kelterapfel, der auch für den Frischverzehr geeignet ist.

Schafsnase: Von der Form - am Blütenkelch leicht gewellt - hat dieser Apfel seinen Namen. Seine Heimat sind die westlichen Taunushänge.  Der mittelgroße, feste Apfel hat ein hellgelbliches und sehr saftiges Fruchtfleisch. Als ertragreiche, anspruchslose und säuerliche Sorte ist die Schafsnase hervorragend zum Keltern geeignet.

Roter Trierer Weinapfel: Wie der Name schon sagt, liegt die  Heimat des eher kleinen, aber robusten Apfels im südwestdeutschen Raum. Fast spitz ist er und an der Sonnenseite rot gefärbt. Unter der festen glatten Schale sitzt das weiße, oft rötlich durchzogene und sehr saftreiche Fruchtfleisch. Säuregrad und Mostgewicht liegen extrem hoch, was den Roten Trierer zu den wertvollsten Mostsorten macht.

Gewürzluiken: Gleichmäßig rund und mittelgroß ist dieser aus dem südwestdeutschen Raum stammende Apfel. Er ist kräftig gefärbt und grünlichweiß im Fruchtfleisch. Sein erfrischender, säuerlicher Geschmack und seine große Saftfülle machen ihn zu einem idealen Kelterapfel.

Graue Herbstrenette: Diese für den Streuobstanbau ideale, anspruchslose Sorte ist eher eine unansehliche Frucht mit lederartiger Schale, aber würzigem Fruchtfleisch. Die grüne, bei Vollreife gelbgrüne Grundfarbe ist oft nur auf der Schattenseite sichtbar und häufig vollständig berostet. Das grünlich-weiße, leicht mürbe Fruchtfleisch ist saftreich, weinsäuerlich und würzig.

Rheinischer Winterrambur: Dieser Apfel gehört zu den ganz alten Sorten und ist groß bis sehr groß, plattrund und stark gerippt. Die Schale ist gelb bis leuchtend rot verwaschen, das Fleisch weiß, anfangs fest, später mürbe, mäßig saftig und schwach aromatisch. Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Winterrambur eine stark verbreitete Marktsorte des bäuerlichen Hochstammobstbaus.

Weitere zum Keltern geeignete Apfelsorten sind unter anderem Borsdorfer, Brettacher, Wintergoldparmäne, grüner Fürstenapfel,  roter Eiserapfel, Himbacher Grüner und zahlreiche Lokalsorten wie auch der Reichelsheimer Weinapfel. Sie sind durchweg säuerlich, würzig und saftig. Frühobst besitzt nur einen geringen Zucker-,  Säure- und Extraktgehalt, der daraus hergestellte Apfelwein ist alkoholarm, schmeckt fade und leer. Es gibt jedoch auch  Ausnahmen. Einige Tafeläpfel wie Cox und Ontario sind durchaus brauchbar, aber natürlich viel zu teuer.

Aber nicht nur Äpfel werden zu Apfelwein gekeltert und vergoren, auch einige andere "sauren Früchtchen" geben bestimmten Sorten  ihre besondere Geschmacksnote:

Speierling: Schon im Mittelalter war der Speierling besonders im Frankfurter Raum weit verbereitet. Der inzwischen sehr seltene Speierlingbaum ist kein Apfelbaum, sondern gehört zur Familie der Ebereschen. Seine  kleinen apfel- oder birnenförmigen, stark säurehaltigen Früchte geben dem Apfelwein den charakteristischen, trockenen Beigeschmack.

Mispel: Die Mispel gehört zu den Rosengewächsen und stammt aus Südosteuropa. Sie macht den Apfelwein wuchtiger, die herzhafte Frucht gibt ihm ein feinwürziges Aroma und einen ausfüllend-kompakten Nachgeschmack.

Die Eberesche gibt dem Apfelwein eine wilde, derbe Note, ein mit Ebereschenfrucht  gekelterter Apfelwein schmeckt leicht säuerlich mit kräftigem, eigenem Nachklang. Die Quitte ist die einzige der sauren Früchte, die dem Apfelwein ihr eigenes Aroma gibt. Den Quittenapfelwein und seine enorme Fruchtfülle verrät schon sein opulenter und dabei doch feiner Duft im Glas. Von der Schlehe erhält der Apfelwein Tannine und Gerbstoffe, die sich im Geschmack als fruchtig-frische, durstlöschende Note auf der Zunge zeigen und den Apfelwein weiniger machen. Auch Birnen werden gerne zusammen mit den Äpfeln gekeltert.

Vorbei an Streuobstwiesen, Keltereien , Gaststätten und Direktvermarktern

Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute verbindet Kulturlandschaft und Produktionsstätten
 

Von Giessen bis an den südlichsten Zipfel Hessen reicht ein dichtes Wegenetz: Die Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute. Vorbei an Keltereien, Gaststätten, Direktvermarktern und regionalen Sehenswürdigkeiten in den Landkreisen Wetterau, Giessen, Main-Kinzig, Offenbach, zwischen Main und Taunus und Odenwald lädt diese Route den Wanderer, Radtouristen und Naherholungssuchenden ein, die Schönheiten dieser hessischen Landschaften mit ihren reizvollen Obstwiesen zu erfahren und  heimische Erzeugnisse kennen zu lernen.
Die Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute wird getragen von der Idee einer Vernetzung der für Hessen typischen Obstwiesen mit regionalen Initiativen. Die Route soll das Bewusstsein für den Lebensraum Streuobstwiese und die damit verbundenen Erzeugnisse stärken und unter anderem  einen wirtschaftlichen Anreiz für Landwirte und Obstbauern schaffen, die Obstwiesen wieder zu pflegen beziehungsweise neu anzulegen. Letztendlich ist es ein Ziel, die jeweilige Region  wirtschaftlich zu stärken und langfristig den Fortbestand der Streuobstwiesen in Hessen zu sichern.
Die Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute verläuft entlang landschaftlicher und kultureller Sehenswürdigkeiten. Sie verbindet Kulturlandschaft und Produktionsstätten miteinander und führt über ein beschildertes Rad- und Wanderwegenetz vorbei an Streuobstwiesen und Lehrgärten zu Gaststätten, Keltereien, Direktvermarktern, Handwerksbetrieben und vielen Institutionen, die mit den heimischen Obstwiesen verbunden sind. Weiterhin arbeitet die Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute eng mit örtlichen  Naturschutzverbänden, Obst- und Gartenbauvereinen und den beteiligten Gemeinden zusammen.
Die einzelnen Regionalschleifen haben ihre Bereiche in einzelne Etappen unterteilt und entsprechende Radwege- und Wanderkarten zusammengestellt. Nähere Informationen geben die jeweiligen Geschäftsführer. Für den Dachverband die Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen in Friedberg, Tel. 06031/73235, für die Regionalschleife "Zwischen Main und Taunus" Klaus Christof Kauker, Bad  Soden, Tel. 06174/933234, für die Wetterau Dr. Johannes Fertig, Friedberg, Tel. 06031/83833, für den Kreis Main-Kinzig Heinz Grotemeyer, Gelnhausen, Tel. 06051/68034, für den Landkreis Giessen Guido Linke, Lich, Tel. 06404/8060, für Stadt und Kreis  Offenbach Matthias Müller, Tel 069/80652846 und Ralf Müller, Tel. 069/8068389 und für den Odenwald Rudi Greim, Erbach, Tel.  06062/943360. In den Mitgliedsbetrieben der jeweiligen Regionalschleifen liegen Broschüren aus, die auf Veranstaltungen hinweisen  und der Dachverband gibt zweimal jährlich eine Zeitung heraus, den "Apfelboten".
Außer der gemeinsamen Idee und das Engagement für Streuobstwiesen und regionale Produkte verbindet alle Beteiligten an der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute das markante Logo: Der rote Apfel mit dem grünen Pfeil drumherum.

"So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen..."

Nur bei richtiger Pflege ist eine reichhaltige Ernte gewährleistet

"Wenn morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen", soll Martin Luther seinerzeit gesagt haben. Aber einen anstehenden Weltuntergang bedarf es wahrlich nicht, um Gründe zu finden, einen oder besser mehrere Apfelbäume im eigenen Garten anzupflanzen. Setzlinge gibt es in jeder Baumschule und bei richtiger Pflege können schon bald die ersten Früchte geerntet werden.
Vor dem Pflanzen des Setzlings muss der künftige Standort vorbereitet werden. Um ganz sicher zu gehen, ist es ratsam eine Bodenuntersuchung zu veranlassen und gegebenenfalls eine entsprechende Vorratsdüngung vorzunehmen. Für einen einzelnen Baum wird eine Pflanzgrube von einem Quadratmeter und gut einem halben Meter Tiefe ausgehoben. Zu lange oder beschädigte  Wurzeln werden zurückgeschnitten. Nach der Pflanzung wird die Erde um den Stamm leicht angetreten und gut eingeschlämmt. Zu beachten ist, dass der Baum bei der Pflanzung nicht tiefer als  in der Baumschule gepflanzt wird und die Veredlungsstellen noch sichtbar sind. Damit die Feuchtigkeit lange hält, wird die Baumscheiben mit Torf, Kompost oder verrottetem Stallmist  abdecken. Wichtig ist: Busch und Halbstamm stets an einen Pfahl binden, damit Stamm und Krone gerade anwachsen.
Ein Thema für sich ist der richtige Schnitt. Wird im Herbst gepflanzt, erfolgt der Pflanzschnitt im Frühjahr darauf, bei Frühjahrspflanzung sofort. Entlang des Stammtriebes befinden sich mehrere einjährige Seitentriebe. Drei bis fünf starke Seitentriebe werden zu einer späteren Kronenbildung ausgewählt, alle anderen schwachen Seitentriebe entfernen. In jedem Fall wird auch der Konkurrenztrieb (der Trieb, der mit dem Leittrieb konkurriert) entfernt. Die Stammverlängerung (Mittel- oder Leittrieb) und drei bis fünf starken Seitentriebe werden kräftig zurückgeschnitten. Dabei wird auch eine nach außen zeigende Knospe geschnitten, damit sich die Triebe nach außen entwickeln und möglichst viel Luft und Licht in die Krone eindringen können.
Nach einem Jahr erfolgt dann der Erziehungsschnitt. Als erstes werden dann Konkurrenztriebe entfernt und alle nach innen wachsenden Triebe; sodann erfolgt das Einkürzen des Leittriebes und aller Seitentriebe auf eine nach außen stehende Knospe.  Ohne entsprechende Grundkenntnisse sollte jedoch nicht am Baum herum geschnitten werden, sinnvoller ist es, Fachleute um Rat zu fragen. Die örtliche Obst- und Gartenbauvereine sind die richtige Adresse und Baumschnittkurse gehören meist zu ihren Angeboten.
Noch etwas ist zu beachten: Sämtliche Äpfel-Sorten sind selbst unfruchtbar, können sich aber gegenseitig befruchten. Es sollten  also in der Regel immer zwei bis drei verschiedene Apfelsorten gepflanzt werden. Die Düngung der Bäume sollte selbstverständlich möglichst nur mit chemikalienfreien Naturdünger erfolgen.
Bei entsprechender Pflege wird der Baum schon bald reichlich Früchte tragen. Wann diese für einen guten Apfelwein geerntet werden  können, lässt sich nicht genau terminieren. Der Reifegrad hängt nicht nur von der Sorte ab, es gibt auch zusätzliche regionale Unterschiede. So wird in Südhessen klimabedingt früher gekeltert als beispielsweise in der Rhön. Am besten ist der Apfel, wenn er  reif ist - und das ist er, wenn er beim Schütteln ganz leicht vom Baum fällt.